Das Schönste an Lutz Görner ist, dass er unprätentiös mit ein paar gebrochenen verspielten Gesten seine gut pointierten Texte spricht und mit ironischem Spaß die Dichtung und das Leben der Dichter zu trennen und aufeinander zu beziehen weiß.

 

Als das Saallicht im Schauspiel schon lange wieder brannte, stand er immer noch auf der Bühne, begeistert gefeiert und zur vierten Zugabe herausgerufen: der Rezitatoren-König Lutz Görner.

 

Lyrik? Eineinhalb Stunden lang Gedicht auf Gedicht? Ist solches nicht reichlich gewagt in Zeiten multimedialer Zerstreuung? In der Regel vielleicht. Aber nicht, wenn Lutz Görner spricht, die lyrische Stimme Deutschlands.

 

Görners Kunst, gereimte oder ungereimte Klassiker mal derb mal zart lebendig werden zu lassen, läßt ihn nun sogar Einzug ins prosaische Fernsehen halten: Am 3. Januar startet die 150teilige Poesie Fernsehserie "Lyrik für alle". Bei der Präsentation vertraut der poetische Staubwedel Görner auf die Macht des gesprochenen Wortes: "Die Bilder müssen im Kopf entstehen".