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KOSMOS LISZT, so heißt die Reihe der Klavierabende, die ich zusammen mit Elena Nesterenko in den nächsten Jahren präsentieren werde. Franz Liszt für alle 2011 war der Ausgangspunkt und ein Jahr später folgte der Chopin-Abend mit Liszts Biografie über seinen Jugendfreund Frédéric. Der 3. Abend ist der Musik Richard Wagners und seinem Briefwechsel mit Liszt gewidmet. Ausdruck einer tiefen Männerfreundschaft.Vor 200 Jahren ist Wagner in Leipzig geboren worden. Er war das neunte und zudem ungeliebte Kind einer Ehe, die eigentlich zu dieser Zeit schon gar nicht mehr bestand. Vater Wagner ging nämlich eigene Wege, Mutter Wagner hatte in dem Theatermann Geyer einen Hausfreund. Vater Wagner stirbt ein halbes Jahr nach Richards Geburt. Der Hausfreund wird der neue Vater, die Mutter heiratet ihn und bringt auch noch ein zehntes Kind zur Welt. Die neue Geyer-Familie siedelt von Leipzig nach Dresden. Richard ist klein und hässlich, kann nicht wie die anderen Geschwister vom neuen Vater im Theater eingesetzt werden, um Geld zu verdienen. Geyer macht Carl Maria von Weber, den Komponisten des Freischütz zum Freund der Familie, heißgeliebt vom kleinen Richard. Doch Richard wird immer wieder zu fremden Leuten abgeschoben, fern von den Geschwistern, die er so sehr vermisst und fern der Mutter, die ihm immer wieder zu verstehen gibt, dass sie ihn nicht mag. Als Ludwig Geyer stirbt, ist Richard 8 Jahre alt. Er geht in Dresden als Richard Geyer zur Schule, aber niemand kümmert sich um ihn, denn der Rest der Familie ist nach Prag gezogen. Als er vierzehn ist, tauchen die Seinen wieder auf und er zieht mit ihnen zurück nach Leipzig. Um auf der neuen Leipziger Schule angemeldet zu werden, muss er seine Taufurkunde herzeigen. In der lautet sein Name aber Richard Wagner und nicht Richard Geyer. Der ungeliebte Junge ist geschockt. Stammt er vom Vollzugsbeamten Wagner oder vom Hausfreund Geyer? Sie merken: spätestens hier wäre eine Therapie nötig gewesen. Musikalisch ist Richard begabt. Aber um ein Instrument zu erlernen, fehlen ihm Ausdauer und Fleiß. Weder die Violine noch das Klavier reizen ihn. Singen, ja, das ging von alleine. Und da er die Musik liebt, schreibt er statt dessen Beethovens Neunte ab und macht davon einen Klavierauszug. Auf diese und ähnliche Weise bringt er sich als Autodidakt zumindest so viel bei, dass er mit 19 Chordirektor in Würzburg wird, ein Jahr später ist er Kapellmeister bei einer fahrenden Truppe und mit 23 sogar Musikdirektor in Königsberg. In dieser Zeit fängt er auch schon an, Opern zu schreiben. Die erste heißt Die Feen, kommt durch den Konkurs seiner Theatertruppe aber nicht zur Aufführung. Die zweite Oper: Das Liebesverbot erlebt im Magdeburger Stadttheater unter seiner Leitung nur eine Aufführung, da sich bei der zweiten das gesamte Ensemble auf und hinter der Bühne prügelt, woraufhin die Vorstellung abgebrochen wird und auch diese Truppe am Ende ist.Um es kurz zu machen: Nach verschiedenen Engagements, nach einer unüberlegten Heirat als 23-Jähriger, nach hohen Schulden, nach immer neuen Fluchten vor seinen Gläubigern, wird Wagner mit 29 Jahren Hofkapellmeister in Dresden. Also auf dem Posten, den sein Idol Carl Maria von Weber einst innehatte. In Dresden wird seine dritte Oper Rienzi mit außerordentlichem Erfolg aufgeführt. Franz Liszt, neugierig auf alles Neue, fährt hin, hört zu und merkt sofort, dass da etwas noch nie Dagewesenes keimt. Deshalb hören Sie jetzt als erstes die Rienzi-Fantasie von Franz Liszt nach Motiven aus Richard Wagners Oper, gespielt von Elena Nesterenko.

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